Editorial - Pandemie und histrionische Persönlichkeit – das kann passieren…

Manche Experten sehen einen Wandel bei Corona, von der Pandemie zur Endemie. Ähnlich wie die Grippe wird Covid-19 also bleiben aber wir werden lernen mit dem Virus zu leben. Mit den Auswirkungen hingegen müssen wir aktiv umgehen. Denn wir sehen die ersten Spitzen…. Eine Herausforderung, die mir erstmalig während der Pandemie begegnet ist und nun zunehmend in unseren Sachverhalten zu finden ist, sind die verschiedenen Persönlichkeits-Stile.
Anfangs sieht es nach einem Standardthema aus: Mobbing, Sexuelle Belästigung, Konflikt mit dem Vorgesetzten oder Kolleg*innen, doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein anderes Bild. Was steckt genau dahinter?


Bedeutung von Persönlichkeitsstilen

Menschen tragen unterschiedliche Persönlichkeitsstile in sich. In welchem Maße diese den eigenen Charakter prägen, hängt von vielen Faktoren ab wie etwa  Erziehung, Geschwisterkonstellation oder herausfordernden Lebensphasen. Das heißt auch, dass sich das Zusammenspiel der verschiedenen Persönlichkeitsstile im Laufe eines Lebens verändern kann und das in der Regel auch tut. Die Ausprägungen der Wesensart zeigt sich in unseren Bedürfnissen (Aufmerksamkeit; Anerkennung), im Umgang mit anderen Personen (unterwürfig oder ausnutzend) und im Umgang mit sich selbst (z.B. selbstzerstörend).
Die beiden letzten Jahren haben uns alle auf unte
rschiedlichste Art und Weise verändert und gefordert. Eine Lebensgestaltung, wie wir sie bis dato kannten, gab es nicht. Hatten wir vor der Pandemie ein Gleichgewicht zwischen unseren Bedürfnissen und den äußerlichen Anforderungen gefunden, war das während der Pandemie deutlich anders.


Zurück zu den Persönlichkeits-Stilen, der histrionischen Persönlichkeit:

Die Bezeichnung Histrioniker leitet sich aus dem lateinischen Substantiv histrio = „Schauspieler“ und dem Begriff aus der Psychologie „hysterisch“ ab. Ein Mensch mit starken histrionischen Zügen ist sehr offen und Menschen zugewandt – mit ihnen wird es nie langweilig. Diesen Menschen treibt ihr hohes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit unter andere Menschen und wecken meist durch ihre positiv auffallende Erscheinung die Aufmerksamkeit. Sie sind Meister des Smalltalks, haben keine Hemmschwelle auf Menschen zuzugehen und Fremde anzusprechen.
Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf die Grundbedürfnisse einer histrionisch geprägten Person? Im Home-Office gab es wenig bis gar kein Feedback auf die äußere Erscheinung. Die Bildschirmkamera zeigt nur einen kleinen Ausschnitt einer Person – weder Highheels noch handgemachte Schuhe sind in einer Zoom-Konferenz zu sehen. Es gab kein Feedback zum aufwendigen Makeup oder dem Maßanzug. Treffen mit Freunden, Bekannten, Partys, Konzerte oder Dinnerpartys - alles abgesagt. Weder im Job noch in der Freizeit gab es Möglichkeiten Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn wir wissen, dass das Selbstwertgefühl einer histrionischen Persönlichkeit durch die Menge an Rückmeldungen gespeist wird, bedeutet das je weniger Aufmerksamkeit desto geringer das Selbstwertgefühl. „Back to normal“ heißt für die Betroffenen - der Vorrat an Aufmerksamkeit muss dringend wieder gefüllt werden. Zum Akkuladen kann bei einigen die Rückkehr in die alten Strukturen ausreichen, andere kämpfen mehr denn je um Aufmerksamkeit – in positiver wie negativer Hinsicht.


Wie sieht das in der Praxis aus?

Ob Mobbing oder sexuelle Belästigung, die histrionische Person ist Opfer. Sie beschuldigt andere und benötigt Hilfe und Unterstützung von Betriebsräten, Kolleg*Innen, Bedrohungsmanager*Innen oder Vorgesetzten. Das Manipulationsspiel „ich armes Opfer“ kombiniert mit der Illustration von mehr persönlicher Nähe/Beziehung als sie tatsächlich besteht, lässt viele Menschen für sie aktiv werden. Sobald diese Unterstützer nicht mehr in ihrem Sinne agieren, wandern sie auf die Seite des Bösen und werden als Feinde gesehen. Es gibt nur schwarz und weiß. Menschen, die aufgrund einer falschen Rückmeldung „aussortiert“ werden, sind überfordert mit der zuvor dargestellten engen Beziehung und dem nun zu spürenden Feindbild.


Was tun in dieser Situation?

Zunächst ist das Erkennen der Persönlichkeit und der damit verbunden Bedürfnisse, die Antreiber für das Verhalten sind, von großer Bedeutung. Die histrionische Person nutzt unterschiedliche Manipulationsstrategien, um Menschen in ihrem Sinne handeln zu lassen. Diese zu erkennen und aufzuzeigen ist ein schwieriger, aber wichtiger Schritt. Mit dieser Grenzziehung schützt man sich zunächst selbst vor Überlastung durch die stetigen und oft wechselnden Anforderungen wie z.B der sofortigen Aufmerksamkeit. Dies führt früher oder später Jeden an seine Grenzen.
Diese Grenzziehung ist auch für das weitere Miteinander von großer Bedeutung. Auf der so geschaffenen Basis können nun Optionen für die weitere Zusammenarbeit oder Beendigung der Zusammenarbeit geschaffen werden. Gelingt dies nicht, so gilt es eine neutrale Person hinzuziehen, z.B. ein Bedrohungsmanager, Sozialpartner oder Vertreter der Personalabteilung. Wichtig ist die sofortige Klärung der Rolle als „Allparteilich“ und der klaren Grenzziehung. In dieser neuen Konstellation kann nach alternativen Optionen außerhalb der aktuellen Struktur geschaut werden. Um eine nachhaltige Lösung zu schaffen, braucht es in der Übergangsphase eine Begleitung durch einen Coach. Erst wenn das alte Gleichgewicht erreicht ist, ist eine stabile Lösung geschaffen.

Claudia (Brandkamp)

Kommentare/eigenen Erfahrungen hierzu bitte an: Redaktion@forum-bedrohungsmanagement.de



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16.05.2023

ILO-Konvertion 190 - es gibt Fortschritte

Die ILO, regelt in der Konvertion 190 das Recht auf eine Arbeitswelt ohne Gewalt und Belästigung. Gewalt am Arbeitsplatz, von der ILO definiert als „jede Handlung, Begebenheit oder von angemessenem Benehmen abweichendes Verhalten, wodurch eine Person in Verlaufe oder in direkter Folge ihrer Arbeit schwer beleidigt, bedroht, verletzt, verwundet wird.".
Die Konvention ist noch nicht von alle Mitgliedern ratifiziert. Aktuell auch noch nicht von Deutschland. Doch nun wird berichtet, dass Deutschland die Konvention zum Schutz vor Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt ratifiziert.
Darin wird u.a. auch dargestellt: Die Konvention will sicherstellen, dass in Fällen von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt leichter Zugang zu geeigneten und wirksamen Abhilfemaßnahmen sowie zu sicheren, fairen und wirksamen Melde- und Streitbeilegungsmechanismen und -verfahren besteht. Hier zahlt ein aktives Bedrohungsmanagement sicherlich daruf ein. Weiter heißt es: Ob und welche gesetzliche Anpassungen, etwa im AGG die Ratifizierung der Konvention nach sich ziehen wird, ist noch offen.
Bislang gab es keine einheitliche internationale Standards zum Schutz vor Belästigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz gegeben. Dies ändere sich mit dem Übereinkommen, das nicht nur den Arbeitsplatz selbst, sondern unter anderem auch Bereiche wie Arbeitsweg, Kantine und Pausenräume betreffe.

Für Interessierte wird der Gesetzes-Wortlaut von den Servern des Deutschen Budestags angeboten.



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